VIETNAM – EIN ANSTRENGENDES LAND

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Zugegeben, ich habe mir sehr viel versprochen von diesem Land. Das lag sicherlich auch daran, dass ich vietnamesisches Essen liebe. Auf die teilweise sehr ruppige Art der Vietnamesen in meinem Viertel zu Hause habe ich nicht viel gegeben. Aber das wurde in Vietnam leider nicht besser. Kolonialherrschaft und Kriege sind bei der älteren Generation noch nicht vergessen. Vielleicht liegt darin ja eine Erklärung, warum man es als Touristin recht schwer hat in diesem Land. Ich bin auf allen meinen Reisen noch nie so unfreundlich behandelt worden, habe nie erlebt wie man vor mir negativ über mich redet und habe auch noch nirgendwo anders als in Vietnam Taxifahrer gehabt, die aggressiv auf ihre Kunden losgehen. Von Verständigungsproblemen einmal ganz abgesehen, denn selbst in Hotels kann man nicht auf rudimentäre Englischkenntnisse bauen.
Ich habe mich schnell an Reiseberichte von Freunden erinnert, die allesamt von der Landschaft ins Schwärmen gerieten aber weniger Positives von den Menschen zu erzählen hatten. Vielleicht war der 31.12.2012 auch ein denkbar ungünstiger Start, um mit dem Land warm zu werden…

Ho Chi Minh City

…denn wenn man als Europäerin sonst schon ein wenig Eingewöhnungszeit braucht, um mit dem Verkehr zurecht zu kommen, war die Silvesternacht die Krönung an Verkehrschaos. Mofas soweit man blicken konnte und dazu ohrenbetäubendes Hupen. Auf zwei Spuren fuhren sicherlich acht Mofas parallel und ließen keine Lücke entstehen. Viel schlimmer: Der Fußgängerweg wurde kurz vor Mitternacht auch noch eingenommen und ab da wurde es wirklich unheimlich anstrengend.

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Dabei ist Ho Chi Minh – das alte Saigon – eine recht hübsche, und aufgrund der kolonialen Überbleibsel, sehr europäisch geprägte Stadt.

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Der Ben Thanh Markt, auch bekannt als Saigon-Markt, befindet sich im District 1 am Ende der Einkaufsstraße Le Loi. Als Liebhaberin von Märkten in fernen Ländern war ich einmal wieder absolut fasziniert, was sich dort alles Unbekanntes entdecken ließ.

Mui Ne

Der kleine Badeort liegt 200km östlich von Saigon und ist zwar kein klassischer Traumstrand, aber die wellenreiche Küste bietet gute Bedingungen für Kite-Surfer und ist perfekt zum Erholen vom Mofa-Lärm. Zumindest sofern man sich den russischen Touristen entziehen kann, die in Mui Ne in Massen aufschlagen und schon ausgelöst haben, dass es alle Speisekarten auch in kyrillischer Schrift gibt.

Highlight: die Sanddünen bieten einen fantastischen Ausblick auf das Meer und sind eine tolle Fotokulisse. Und mit Sandboards könnt ihr die Dünen heruntersausen!

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Hoi An

12 Stunden Busfahrt sind es von Mui Ne bis nach Hoi An, einer charmanten kleinen Stadt an der Küste, genau in der Mitte des Landes. Hoi An war einmal Teil der Seidenstraße. Berühmt ist die Stadt deswegen auch heute für massgeschneiderte Kleider und Schuhe. Neben den Schneidereien prägen kleine Cafés und Kunstgalerien den Charakter der Weltkulturerbe-Stadt. Je nach dem wie viel Kleidungsstücke ihr in Auftrag gebt, ist ein Tag auch schonmal gut mit der Auswahl der Stoffe und mehreren Anproben verplant.

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Marble Mountains

Die fünf bewaldeten Berge aus Marmor und Kalkstein liegen südlich der Millionen-Strandmetrople Da Nang und gut 60km nördlich von Hoi An. Thuy Son ist der höchste Berg und in seinem Inneren befinden sich mehrere Höhlen, eine Grotte sowie buddhistische Tempel. Ein Stop von wenigen Stunden auf der Durchreise ist absolut lohnenswert!

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Hai Van Pass – Wolkenpass

Der Wolkenpass war definitiv eine der spektakulärsten Aussichten, die ich auf meiner Vietnam-Reise hatte. Hier verläuft die Klimagrenze zwischen dem subtropischen Norden und dem tropischen Süden. Im Januar wurde es also hinter dem Pass rapide kälter, mit jedem Kilometer ging es tiefer in den Winter. Der Pass liegt auf circa 500m Höhe und ist wichtigste Verbindungsstraße zwischen Nord- und Südvietnam.

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HUe

Die alte Kaiserstadt liegt am Parfümfluss. Unter der Nguyen-Dynastie bis 1945 war Hue die Hauptstadt Vietnams. Die Zitadelle mit der Verbotenen Stadt (nach dem Vorbild Pekings) wurde 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Südlich des Zentrums von Hue befinden sich die Kaisergräber. Es ist ausreichend, einen Tag für die Stadt einzuplanen.

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Hanoi

Hanoi ist eine lebhafte, laute und anstrengende Stadt. Dennoch hat es mir hier besser gefallen als in Saigon, es gibt viel mehr Kontraste. Die Stadt schwingt zwischen Tradition und Moderne, Konfuzianismus und Kommunismus. Einen Spaziergang lohnt das schicke französische Viertel mit impressionanten Gebäuden, teuren Boutiquen und Galerien.

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Und ganz besonders sehenswert ist das Old Quarter, das Handwerksviertel mit den 36 Gassen, in denen es in jeder einzelnen ganz unterschiedliche Waren gibt. Um den See im Herzen der Stadt schwirren in den frühen Abendstunden tausende von Mofas rum, dicker Smog hängt dann über Hanoi und in diesem unglaublichen Gewusel lassen sich die Straßen nur nach dem Motto „Augen zu und durch“ überqueren.

Chim Yen ist eine richtig tolle Boutique gegenüber der St Joseph’s Kathedrale im Old Quarter. Im oberen Stockwerk gibt es auch ein schönes Café. In diesem Viertel finden sich zahlreiche coole Shops und die Jugend Hanois trifft sich hier an jeder Straßenecke – mit Mofa vor der Kirche oder zur Nudelsuppe, die auf unfassbar winzig kleinen Höckern eingenommen wird.

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Der prachtvolle Präsidentenpalast, den Ho Chi Minh selbst nie bewohnte, liegt in einem riesigen Park. Er bevorzugte ein einfaches Holzhaus, das an den Präsidentengarten angrenzt und besichtigt werden kann.

Halong Bay

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Zum Abschluss der Vietnam-Reise durfte der Klassiker Halong Bay natürlich nicht fehlen. Die aus dem Wasser ragenden Kalkfelsen (1969 sollen es sein) sind seit 1994 UNESCO Weltnaturerbe und sind wirklich eine Traumkulisse!

Trips zur Halong Bay sind eine rundum durchorganisierte Sache, die ihr auch besser nicht auf eigene Faust angehen solltet, das wird nämlich so nicht günstiger. Eine zweitätige Mini-Cruise ist zu kalten Jahreszeit ausreichend: ihr braucht vier Stunden mit dem Bus von Hanoi bis zur Anlegestation. Dort geht es dann aufs Boot. In meinem Fall in einer recht kleinen Gruppe, acht Personen waren wir insgesamt. Von den 200 anderen Booten, die täglich auch in die Bucht aufbrechen, war wenig zu sehen. In den zwei Tagen sind Übernachtung an Bord sowie Vollverpflegung mit eingeschlossen.
Eine Tour der mittleren Preisklasse kostet all incl. circa 80 Euro.

Am Morgen des zweiten Tages besichtigten wir eine Tropfsteinhöhle und waren tatsächlich das erste Boot am Aussichtspunkt, von dem man einen atemberaubenden Blick auf die Felslandschaft hat.